Das Gottesbild der theistischen Evolution

Grundsatz:
Hinter der theistischen Evolutionstheorie steckt der Gedanke, dass sich Gott der Evolution zur Schöpfung bedient hat. Er hat gewissermaßen die Gesetzmäßigkeiten der Evolution bereits in die Schöpfung hineingelegt, damit sich daraus die Entwicklungsgeschichte der Welt nach Gottes Plan vollzieht.

Wenn Gott selber die Prinzipien der Evolution geschaffen hat, dann spiegeln diese Prinzipien auch Gottes Wesen wider. Daher soll mit dieser Seite versucht werden, das Gottesbild herauszuarbeiten, das sich aus den Prinzipien der Evolution ergibt und diese dem Wesen Gottes, wie es uns in der Bibel geoffenbart wird, gegenüberzustellen.

Es gibt vorallem 2 Grundmodelle der theistischen Evolution:

A) Dominomodell (Gott gab den Anstoß)
   * Die Dominoreihe wurde bewußt von Gott gebahnt
   * alles hat sich nach dem "Umschubsen" allein weiterentwickelt

==> Dahinter steckt die Vorstellung eines "Uhrmachergottes",
Gott ist der Notnagel für einen unerklärten Anfang des Universums, aber es gibt kein Eingreifen Gottes im weiteren Verlauf des Weltgschehens. Alles ist bereits festgelegt und läuft nach Plan ab.

B) Lückenmodell (Gott schließt unerklärliche Lücken im Evolutionsprozess)
    *  Gott hat mehrmals im Evolutions-Prozess eingegriffen und gezielt Entwicklungssprünge verursacht
 
 ==> gewisse Parallelen zum Schöpfungsprozess
Die Ettappen der Schöpfung (die Stufen, wie sie in den 6 Tagen beschrieben werden) entsprechen grob den Entwicklungsstufen gemäß der Evolution

Probleme bei diesen Modellen:

1. widerspricht dem Selbstverständnis der Bibel
2. widerspricht dem Hebräischen Wortschatz
3. widerspricht dem Wesen Gottes

1. Gebrauch der historisch-kritischen Methode: Wissenschaftliche Aussagen in der Bibel sind nicht wichtig. Wie etwas genau passiert ist, spielt keine Rolle, entscheidend ist allein der Kern der Aussage.
==> nur Aussagen im irrationalen, unsichtbaren Bereich sind Autorität. Im sichtbaren Bereich stellt die Bibel keine Autorität da.
Die Bibel wird als fehlerhaft in verifizierbaren Fakten angesehen.
(Damit ist der Glaubensbereich losgekoppelt vom realem Leben)
Religiöse Passagen sind ohne wissenschaftliche oder religiöse Bezugspunkte (können nicht wiederlegt werden)
==> Der Glaube ist geschützt, nicht angreifbar, ist aber zunächst losgelöst von der Realität

Konsequenzen aus dieser Denkweise:
* Es gibt keinen vernünftigen Grund, den Glauben anzunehmen. Nur abhängig von Erfahrungen
(dagegen beschreibt das Neue Testament selber: Die Jünger verkündigten aufgrund der Schrift, wer Jesus ist)
  das ganze Glaubensgebäude ist abhängig von Erfahrungen, es gibt kein Fundament von Fakten.
-> Folge: eine Verkündigung aufgrund von Fakten ist nicht möglich

* Wahrheit ist nicht mehr etwas Objektives. Es gibt keine objektive Wirklichkeit, sondern nur eine Wirklichkeit im eigenen Denken
("Wahr, aber nur für mich persönlich" -> kein absoluter Anspruch für die Allgemeinheit), nur persönlich empfundene Wahrheiten.

Gegenfragen:
* Was für einen Sinn haben so hohe moral. Ansprüche in einem "verlogenen" Kontext ?
Angenommen, es wäre so, daß mystische Aussagen  wichtige Wahrheiten ausschmücken. Warum ist die Bibel angewiesen, so zu handeln ?
War es einzig die Sicht der Schreiber ? => Mose hat Schöpfung nur von seiner Perspektive aus geschrieben. Alles andere auch ? => subjektive Sicht (Dornbusch nicht gesehen, daß doch verbrannt)
Die logische Folge dieser Sicht wäre, daß auch die Zehn Gebote der subjektiven Denkweise (Moralvorstellung) des Mose entsprungen sind und nicht göttlicher Herkunft.

* Zweiteilung der Bibel (geschichtl. Aussagen geben dem Glauben einen Rahmen): Glaube nur im irrationalen Bereich, nicht im rationalen Bereich. Wichtig wären dann nur Kernaussagen, die den Glauben betreffen.
ABER: Verführung findet immer in Raum und Zeit statt, ist nicht pauschal (kein Vertrauen zu Gott, bzw. Rebellion gegen Gott). Diese Sicht fördert die Diskrepanz zwischen dem konkreten Leben und einer pauschale Glaubensvorstellung.
(Kampf gegen Sünde, das Kreuz Jesu aufnehmen, Zerbruch des Egos)
* Hingabe: Petrus=Beispiel für modernen Menschen (bereit, jeden Weg zu gehen, bis in Tod!) = Hingabe ?
3 Möglichkeiten, sich hinzugeben:
- Gebet in Getsehmane (konkret)
- Beim Zücken des Schwertes (Zurückhalten)
- Verleugnung
==> geisliche Bereiche außerhalb von konkreten Lebensbezügen
==> reales Leben nichts zu tun mit meinem geistlichen Leben
==> Gott außerhalb meines Existenzbereiches (Gott schaut zu, läßt alles so laufen)

Dachten die Jünger so ?
Jesus bezieht sich auch auf den Schöpfungsbericht (Mt 19,3-5) -> Begründung dafür, daß Gott keine Scheidung will. Wenn es nicht so gewesen wäre, dann hätte Jesus eine falsche Aussage als Wahrheit deklariert.
Auch Schreiber des NT unterstützen diesen Gedanken: 2. Kor 11,3 (So Konkret, wie Eva verführt wurde, so stehen jetzt die Gläubigen in der Gefahr, verführt zu werden. Es geht nicht nur um eine pauschale "Verführbarkeit", sondern im "jetzt" um eine konkrete Situation ! )

Evol.:   Nichts außer mir selber bildet Basis für meinen Glauben, Es gibt keine objektiven Wahrheiten.
Bibel.:  Gott handelt konkret und wirklich.

2. Der Begriff "bara" (=hebr. schaffen)Gott schafft aus dem absoluten Nichts (vgl. etwas aus etwas anderem machen):
1.Mo1,1(Himmel und Erde); 21(Tiere); 27 (Mensch) (Lehm: Materie macht Menschen nicht allein aus)
Freiheiten, die uns die Bibel läßt/ Grenzen die die Bibel steckt:
* innerhalb der Tierwelt ist Evoution(Entwicklung) möglich, aber nicht Artübergreifend
* Hebr 11,1: "überführt sein von Tatsachen" ist nur sinnvoll, wenn auch eineWirklichkeit dahintersteht. Realität muss dahinter stehen, sonst ist eine Überführung von Tatsachen nicht möglich.
ABRAHAM: "Glaube trug den A. durch, das war doch schon gut" - nein, sein Glaubensleben war nur sinnvoll, wenn die Verheißungen, auf die er sein Leben aufbaute, wirklich  real sind (nicht der persönliche Vorteil des einzelnen ist der Maßstab, sondern das faktische Endergebnis)
==>>Glaube führt zu einem Verhalten, das einen großen Nachteil hätte, wenn die Grundlage nicht stimmt
==> Esoterisches Denken: jetzt ist etwas für mich gut, sinnvoll - nicht entscheidend, was später daraus wird.

* Hebr 11,3: Glaube und Verstehen wirken zusammen (schließen sich nicht aus), Verstand abhängig vom Glauben
Das Geschaffene ist nicht immer sichtbar: Beispiel aus dem Neuen Testament: der neue Mensch ist äußerlich nicht wahrnehmbar, aber er ist eine objektive Realität (nicht nur so Tun, als ob er da währe)

3. Evolution - Ein Angriff auf Wesen Gottes
a) Gott ändert sich nicht
"ich bin, der ich bin": Gott ist immer der gleiche (verschiedenartiges Handeln in Geschichte, aber kein anderes Wesen)
Evolution: stark bestimmt vom Chaos, ständiger Wechsel.Das was früher gut war, kann heute ein Hindernis sein.Gott braucht aber keine unnötigen Stationen oder Fehlversuche, um ans Ziel zu kommen.
b) Gott ist ein Gott des Lebens
Röm 5,12 besagt: Der Tod ist die Folge der Sünde des Menschen.
Die theistische Evolution besagt: Gott gebraucht Tod, um sein Ziel der Schöpfung zu erreichen (Voraussetzung für Schöpfung) - Gott ist jedoch ein Gott des Lebens, er bejaht Leben und haßt den Tod.
Östliche Mystik: Tod und Leben gleichwertig, gleich gut. Viele Wissenschaftler gehen in eine esoterische Richtung
c) Auch die Grausamkeiten der Natur sind Folge der Sünde des Menschen und nicht gottgewollt
Evolution sagt: Schöpfung ansich ist gut, nur der Mensch ist eine Fehlentwicklung
Rö 8,20-21: ganze Schöpfung leidet und sehnt sich nach Erlösung. Nicht nur der Mensch, sondern die ganze Schöpfung  ist durch Sünde im Mitleidenschaft gezogen. War die Schöpfung vor dem Menschen ein intakter Organismus ?
=> alles geschaffen, alles war sehr gut (auch der Mensch). Gott schafft nichts Verbesserungsbedürftiges !!
==> Mensch muß besser werden und sich weiterentwickeln. Mensch scheint anzufangen, klar zu denken. Kein evol. Prozess des Menschen.
==> selber, vielleicht wird mein Leben langsam besser, aber jeden Tag gefordert, die Beziehung zum Herrn zu leben.
d) Gott schuf ein ideales Umfeld für seine Geschöpfe
Evolution: Gott schuf eine Schöpfung, die lebensfeindlich war, da sich die Tiere ersteinmal anpassen mußten. Der Lebensraum passte nicht zu Tieren, daher mussten sie sich anpassen.
Die Folge wäre: Der Mensch war angewiesen, sich an einen lebensedrohlichen Raum anzupassen:
Aber: "alles war gut", das heißt auch im " Idealzustand". Erst durch den Sündenfall wurde die Erde unbequem (Es gab zuvor keine Angst vor Winter, vor dem Erfrieren, vor giftigen Pflanzen).
Ansonsten würde es bedeuten: Gott "hetzt" den Menschen, damit er überlebensfähig wird, anstatt ihm Ruhe zu gewähren.
e) Gott schafft nach Plan und sofort
Gott ruft das Nichtsseiende, wie wenn es da wäre (ohne zutun der Geschöpfe)
Esoterik: schöpferisches Prinzip (Hierin ist kein Platz für einen konkreten Wille wie "laß uns ...",  sondern nur ein Prinzip: es wirkt mal da, wirkt mal da - vgl. damit Bau einer Skulptur: Der Bildner ändert so lange daran, bis etwas rauskommt, was ihm gefällt, aber Gott hatte eine klare Vorstellung, wie Mensch aussehen soll ("uns zum Bilde") und so schuf er ihn auch gleich.
f) Gott ist souveräner Regent und daher nicht vom Zufall abhängig
Gott fällt keine Entscheidungen auf spontane Reaktionen hin. Gott ist souverän - er weiß, wie er reagieren wird, für ihn gibt es keine Überraschung.
--> Gott hat mein Leben fest im Griff, hat Lösung und Pläne, auf die ich mich stützen kann.
g) Gott selber will auch genießen am vollendeten Werk
Gott betrachtet die Schöpfung am siebenten Tag als abgeschlossenes Werk an (siehe Sabbat).
Die Industrialisierung ist ein Beispiel, in dem unser gesellschaftliches Denken in einem Teilbereich von diesem Wesenszug Gottes losgelöst ist: Wir können heute nicht mehr betrachten. Es gibt keine abgeschlossenen Sachen, bevor wir uns ans nächste machen.
==> Kennen wir überhaupt noch ein "Stop" in unserem Leben ? Nicht immer nach neuen Erkenntnissen jagen, sondern lernen, auch mal stehnzubleiben und die erworbenen Kenntnisse zu verstehen/ genießen.
Als Bild Gottes sind wir auch dazu geschaffen, kreativ zu sein und uns über die geschaffenen Werke zu freuen.
Lebensbejahend bedeutet: alles das, was das Leben bedeutet, also auch die Sinne bejahen. Dagegen steht die  These aus der Evolution: "Der Tod ist etwas schönes."
h) Gottes Tun ist nicht sinnlos
Gott schafft nichts sinnloses: was Gott tut hat Sinn (auch was in unserem Leben geschieht). Gott macht keine Experimente, geschweige denn Fehlversuche.
i) Gott gibt dem Schwächeren den Vorzug
Evolution: Aussonderung des Schwachen als das Unwichtige, damit das Starke vorwärts kommen kann.
Gottes Wesen dagegen: 1. Korintherbrief  Kap 1,.. das Schwache, Unnütze, Untaugliche hat Gott auserwählt.
Die zentralen christlichen Tugenden Demut und Sanftmut passen in das "Konzept" der Stärke aber nicht mehr hinein
(Unser Bild vom Christsein ist bereits sehr von den evolutionistischen Gedanken geprägt: Das Ziel ist ein starker Christ, der über allem steht, das ist vorallem der Ansatz jeglichen charismatischen Denkens, ist aber nicht der Bibel entsprechend.
Esoterik glaubt auch: Wir stehen kurz vor einem Sprung zu einem neuen Menschen, der frei ist von vielen unzulänglichkeiten.

Der Mensch in seinen Beziehungen (zu Gott, den Tieren und zu and. Menschen):

Ziel Gottes für den Menschen: Ein Bild, IHM hnlich - dazu wäre eine exakte Entwicklung nötig
Stellung des Menschen: Grenze zw. Mensch und Tier ist schwehr ziehbar. In der Bibel sehen wir, dass die Tiere keine Hilfe für den Menschen waren. Der Mensch konnte auch nicht mit einer Vorstufe kommunizieren (das letzte Tier, dessen Nachkomme war der erster Mensch - wie sprachen sie miteinander ?)
Religion: Der Gedanke, dass es auch in den Religionen eine Entwicklung gegeban hat angefangen vom Animismus über den Politheismus hin zum Monotheismus, ist heute stark vertreten.
In der modernen Theologie glaubt man heute sogar an eine " Entwicklung hin zu einem Gott" in den verschiedenen Religionen.
ABER es gibt viele viele Hinweise (auch in der Archeologie), dass sich aus dem Eingottglauben der Vielgottglaube entwickelt hat.
Sünde und Erlösung: Wenn der Sündenfall nicht als reales Ereignis angesehen wird, dann wird die Geschichtlichkeit der Erlösung dadurch ebenfalls in Frage gestellt.
In einer Fernsehsendung mit dem Titel  "Wer tötete Jesus wirklich?" wurde als Ergebnis gebracht: "wir alle, die Jesus töten. Wir töten Jesus dort, wo wir Ungerechtigkeiten akzeptieren" .
Damit ist das Sterben auch nur etwas mystisches, ohne aber mit einem realen historischen Ereignis verbunden zu sein. Das Sterben Jesu am Kreuz hat dann nur eine symbolische Aussagekraft, aber keine echte faktische Auswirkung auf die Not und Verlorenheit des Menschen.
 


Fazit

Die theistische Evolutionstheorie hat in ihrer Konsequenz wesentlich stärkere Paralellen zur Esoterik als zu einem biblisch-christozentrischen Gottes- und Weltbild.
In der Betrachtung der einzelnen Wesenszüge der Evolution lassen sich viele Ähnlichkeiten finden.
Das Gottesbild, das der Bibel entspricht, ist in erster Linie das eines Gottes, der in Souveränität keiner anderen Macht untergeordnet ist, sondern wirklich über allem steht und auch wirklich konkret eingreift. Aber er ist auch ein Gott der Liebe, Barmherzigkeit und des Lebens.

Siehe hierzu auch: Gemeinsamkeiten der Religionen gegen den lebendigen Gott